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Ratgeber

IPv4 und IPv6 im Vergleich

Zwei Adressierungssysteme, die nebeneinander laufen — und was das praktisch für Sie bedeutet.

Warum es überhaupt zwei gibt

IPv4 wurde entworfen, als das Internet ein Forschungsnetz war, und bietet etwas über vier Milliarden Adressen. Das klang nach genug. Heute reicht es nicht: Die zentralen Vorräte sind seit Jahren erschöpft, und Adressen werden weitergehandelt statt zugeteilt.

IPv6 löst das mit deutlich längeren Adressen — 128 Bit statt 32. Die entstehende Menge ist so groß, dass Knappheit in absehbarer Zeit kein Thema mehr ist. Der Preis ist, dass die beiden Protokolle nicht miteinander sprechen: Ein reiner IPv6-Rechner kann einen reinen IPv4-Server nicht direkt erreichen, weshalb fast alle Anschlüsse heute beides parallel betreiben.

Die Unterschiede, die im Alltag zählen

Merkmal IPv4 IPv6
Adresslänge 32 Bit 128 Bit
Schreibweise 192.0.2.1 2001:db8::1
Adressvorrat Erschöpft Praktisch unerschöpflich
Adressumsetzung Fast überall nötig Meist überflüssig
Broadcast Vorhanden Ersetzt durch Multicast
Übliche Subnetzgröße Variabel, oft /24 Fast immer /64

Eine IPv6-Adresse lesen

IPv6-Adressen wirken abschreckender, als sie sind. Es sind acht Gruppen zu vier Hexadezimalstellen, und zwei Regeln kürzen die Schreibweise: Führende Nullen einer Gruppe entfallen, und eine einzige Folge aus lauter Nullgruppen wird durch einen doppelten Doppelpunkt ersetzt.

Aus 2001:0db8:0000:0000:0000:0000:0000:0001 wird damit 2001:db8::1. Der doppelte Doppelpunkt darf genau einmal vorkommen, weil sich sonst nicht mehr bestimmen ließe, wie viele Nullgruppen er jeweils vertritt.

Woran Sie das Präfix erkennen

  • 2000::/3 — global routbar, also eine echte Internetadresse.
  • fe80::/10 — link-lokal; erscheint auf jedem Gerät, ob es echtes IPv6 hat oder nicht.
  • fc00::/7 — für private Nutzung, ungefähr das Gegenstück zu 192.168 in IPv4.
  • ::1 — der eigene Rechner, das Gegenstück zu 127.0.0.1.

Warum die Umstellung so lange dauert

Weil niemand einen Stichtag setzen kann. Solange ein Teil des Internets nur über IPv4 erreichbar ist, muss jeder Anschluss IPv4 behalten; und solange jeder IPv4 behält, entsteht kein Zwang, auf IPv6 zu wechseln. Die Adressumsetzung hat den Druck zusätzlich gemildert, indem sie das Weiterbetreiben von IPv4 erträglich machte.

Der Fortschritt ist trotzdem erheblich: In vielen Mobilfunknetzen ist IPv6 heute der Regelfall, und ein großer Teil des Verkehrs zu den größten Anbietern läuft bereits darüber.

Was Dual-Stack für Sie bedeutet

Die meisten Anschlüsse haben beides. Der Browser entscheidet pro Verbindung nach dem Verfahren Happy Eyeballs: Er startet beide Versuche und nutzt den, der zuerst antwortet. Deshalb äußert sich ein defekter IPv6-Pfad meist als Trägheit statt als klarer Fehler — der Browser wartet, gibt auf und weicht auf IPv4 aus.

Praktisch heißt das auch: Eine Website kann je nach Weg die eine oder die andere Adresse von Ihnen sehen. Unterschiedliche Ergebnisse auf zwei Prüfseiten sind daher kein Fehler, sondern der Normalfall bei Dual-Stack.

Häufige Fragen

Brauche ich IPv6?

Für das alltägliche Surfen meist nicht, weil praktisch alles weiterhin über IPv4 erreichbar ist. Wichtig wird es, wenn Sie hinter einem Carrier-Grade NAT sitzen: Dort ist IPv6 häufig der einzige Weg, einen Dienst von außen erreichbar zu machen.

Ist IPv6 schneller?

Nicht von sich aus. Es kann in Netzen schneller sein, in denen IPv4 mehrere Ebenen der Adressumsetzung durchläuft, aber die Adresslänge allein macht keine Verbindung schneller.

Ist IPv6 sicherer?

Es enthält keine Sicherheitsfunktion, die IPv4 fehlt. Ohne Adressumsetzung sind Geräte allerdings direkter erreichbar, weshalb die Firewall des Routers wichtiger wird als in einem reinen IPv4-Netz.

Warum zeigt mein System IPv6-Adressen, obwohl ich kein IPv6 habe?

Weil jedes moderne Betriebssystem sich link-lokale Adressen ab fe80: selbst vergibt, unabhängig von der Internetverbindung. Diese Adressen verlassen Ihr Netzsegment nie und sagen nichts darüber aus, ob IPv6 bis ins Internet trägt.

Kann ich IPv4 abschalten?

Möglich ja, sinnvoll meist nicht. Ein spürbarer Teil des Internets ist weiterhin ausschließlich über IPv4 erreichbar, und ohne Übersetzungsmechanismus wäre dieser Teil für Sie nicht mehr zugänglich.

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